Schach in feinen Zügen

Theater: Schiller, schillernd: Niels-Peter Rudolph inszeniert "Don Carlos" am Volkstheater.

Kultur | Karin Cerny | aus FALTER 09/99 vom 03.03.1999

Wenn die Großmutter beider Elternteile Johanna die Wahnsinnige heißt, kann das für ein Kind nichts Gutes bedeuten. In der Geschichtsschreibung heißt so etwas nüchtern: durch Inzucht erblich belastet. Im wirklichen Leben hat es die historisch verbürgte Figur des spanischen Infanten Don Carlos dementsprechend nicht sonderlich weit gebracht. Den Thron konnte er nie besteigen; schon mit 23 Jahren landete er im Kerker, wo er bald darauf starb. Um so begehrter war Carlos als literarische Figur: Friedrich Schiller verfaßte zwischen 1783 und 1787 ein Versdrama mit dem Titel "Dom Karlos", rund hundert Jahre später komponierte Verdi seine Oper zum Thema.

In der Tat trägt Carlos das Potential zur Bühnenfigur in sich. Ein Jüngling, der bei Schiller mehr Schwärmer denn Wahnsinniger ist, mehr Künstlernatur als Staatsmann - eine Art deutscher Hamlet. Die Forschung hat sich über Schillers dramatisches Gedicht gründlich den Kopf zerbrochen. "Don Carlos", das sind mindestens drei Stücke in


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