System Sagmeister

Literatur: In ihrem bestechenden Roman-Debüt "Die wunderbaren Wege" rekonstruiert Magdalena Sadlon die Welt eines durchschnittlichen österreichischen Ekels.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 09/99 vom 03.03.1999

Drei Jahre hat Magdalena Sadlon mit Jakob Sagmeister verbracht. Jakob Sagmeister, "vom Vorwurf des Mißbrauchs eines Autoritätsverhältnisses rechtskräftig freigesprochen, aber schon infolge der ersten Anschuldigungen wegen sexuellen Mißbrauchs von Schülerinnen und einer Nachhilfeschülerin zuerst beurlaubt und anschließend frühpensioniert".

Jakob Sagmeister ist kein Monster. Er ist intelligent und auch nicht ohne Witz; einer, von dem man sich gut vorstellen kann, daß er seine Zeit damit verbringt, feingedrechselte Leserbriefe an die Presse zu schreiben. Kurz und gut, er ist, so Magdalena Sadlon, "ein Prototyp unserer Gesellschaft", einer, der es liebt, "ein bißchen zu meckern und klugzuscheißern". Als Sadlon eines Tages einen Zettel auf ihrem Arbeitsplatz mit der Mitteilung "Jakob war hier" fand, verbot sie ihrer Freundin, "solche Dinge zu schreiben. Denn so ein Mensch kommt mir nicht in die Wohnung."

Natürlich war Jakob nicht in Magdalena Sadlons Wohnung. Er hauste in ihrem Kopf.


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