Nur ned hudeln

Tempo: Wien ist gemütlich. Stadtethologen an der Universität Wien haben dieses Klischee nun wissenschaftlich belegt. Dabei ist eine gedrosselte Lebensgeschwindigkeit fürs Lebensgefühl gar nicht mal so schlecht.

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 09/99 vom 03.03.1999

Null Komma fünf Meter pro Sekunde." Wie aus der Pistole geschossen beantwortet der Mann von den Hamburger Verkehrsbetrieben die Frage nach der Geschwindigkeit der Rolltreppen in den U-Bahn-Stationen der schnellsten Metropole Deutschlands. "Ist doch mein Hobby!" Rolltreppengeschwindigkeiten?

Bei den Wiener Linien läßt man sich mit der Beantwortung etwas mehr Zeit: einen Tag. Dann allerdings die Überraschung: Mit 0,65 Metern pro Sekunde und damit deutlich schneller als die Hamburger rollen die Wiener in den Untergrund. "Das ist die Euronorm", erklärt Johann Ehrengruber von den Wiener Linien. "Unsere Rolltreppen haben ein Tempo, das auch gebrechlichen Fahrgästen eine Chance läßt, mitfahren zu können." Wien eine schnelle Stadt? Nicht wirklich. In Hamburg mögen die Rolltreppen zwar bedächtiger rollen, das Lebenstempo ist trotzdem rasanter. Zu Fuß sind die Wiener nämlich recht gemütlich unterwegs. Wenn laut Philosoph Paul Virilio "Schnelligkeit eine Folge des Schreckens, der Gefahr"


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