Phettbergs Predigtdienst (Nr. 345): Mein Kotringerl juckt

... Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? ... Ex 17,3-7 (1. Lesung am 3. Fastensonntag / Lesejahr A)

Stadtleben | aus FALTER 09/99 vom 03.03.1999

Nach der Großen Seite zwackt mich oft der Schließmuskel. Und schon vor langem kam ich drauf, Linderung zu finden, wenn ich nach dem letzten Wischen eine Reihe von Klopapierblättern mir in den Anus klemme. Ich höre darüber in den Massenmedien wenig, weiß zwar, daß es einbaubare Waschmaschinen für Klomuscheln gibt, aber bei einer Persönlichkeit mit einem vor zwanzig Jahren übertragen erworbenen, viel zu engen Wintermantel drängen sich andere Überlegungen in den Vordergrund.

So werde ich zur Zeit vermehrt deswegen verspottet, weil ich mich im Telefonbuch als Publizist ausgebe. Aber warum dürfen nur die Bedeutenden publizieren, die Leibni(t)z in allen Konfigurationen (Stadt, Keks, Philosoph) referieren können? Und wen nur das Arschloch juckt, und wer zu faul oder antriebsschwach ist, es sich auf der Stelle, inbrünstig und langandauernd zu baden, darf sich nicht Publizist nennen? Er darf auch nicht auf den Opernball, um dort nach dem Elend zu sehen? Die Verspottung kommt nicht unoft aus der Subdomäne. Wahrscheinlich findet die Subkultur es lächerlich, wenn wer die Hauptkultur nachäfft, während ich es schmerzlich empfinde, daß die Sub, die nicht Haupt ist, und deshalb behauptet, sie ist voll Stolz sub, noch Schwächere subdiskriminiert.

Denn ein kurzes Ribbeln fruchtet nichts gegens Jucken, wohingegen festeingeklemmtes Klopapier schnell und andauernd hilft. Ich berichte davon. Ich kann nur Erlebnisaufsätze. Bin also ein Veröffentlicher. In einer Sparte, die wenig bedient wird. Darum bin ich so wertvoll. Natürlich ist wie jedes Treten auch das In-die-Öffentlichkeit-Treten ein aggressiver Akt. Es kommt dann noch hinzu, daß einige meinen, die Art und Weise, wie ich publiziere, sei gelänglerisch. Also, hochverehrtes Geschmeiß, nehmen Sie zur Kenntnis: Mein Kotringerl juckt, und ich publizier's. Überdenken Sie lieber Ihre Position.


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