Dolm der Woche: Justitia

Politik | aus FALTER 10/99 vom 10.03.1999

Warum es als Tugend gilt, mit Augenbinde herumzulaufen, war immer schon fraglich. Zumal es in letzter Zeit den Anschein hat, als würde Justitia, angeblich Göttin der Gerechtigkeit, gerne augenzwinkernd wegschauen, wenn Hinschauen und Aufzeigen angesagt wäre. Schlimm genug, daß sich Frauen in der U-Bahn - oder sonstwo im öffentlichen wie privaten Raum - unsicher fühlen. Noch schlimmer, wenn sie tatsächlich belästigt werden. Wirklich katastrophal ist aber, daß dann, wenn eine Frau den Belästiger ausforschen läßt und dieser vor Gericht kommt, der Grapscher freigesprochen wird. Nicht, weil das Gericht zum Schluß kommt, daß er nicht tat, wessen er bezichtigt ist, sondern weil Fummeln und Grapschen nicht schwer genug wiegen, um zu strafen. Vielleicht sollte man Frauen wieder zum Eigentum von Männern erklären - denn bei Übergriffen auf fremdes Eigentum zwinkert Justitia nie.


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