Angler und Sammler

Musik: Underworld haben sowohl als Band als auch mit ihrer Multimediafirma Tomato die Ästhetik der Neunziger geprägt. Nach drei Jahren Wartezeit erscheint jetzt das dritte Album der Techno-Tüftler.

Kultur | Robert Rotifer / London | aus FALTER 10/99 vom 10.03.1999

Rick Smith von Underworld behauptet, er hasse den Klang seiner eigenen Stimme. Das allein wäre noch nichts Besonderes. Wir alle kennen das Gefühl. Aber wir alle besitzen nicht Smiths monotonen, melodielosen Tonfall und seinen knochentrockenen walisischen Akzent. Und wir verbringen kaum unsere Zeit damit, unsere Gespräche mit einem Walkman aufzunehmen, nach interessanten Details zu untersuchen und über Jahrzehnte hinweg zu katalogisieren.

Vor langer Zeit war Rick Smith auf einer Angeltour in den Sümpfen von Louisiana unterwegs. Einer seiner beiden Begleiter machte dort die flüchtige Bemerkung, er habe an dieser oder jener Stelle einmal "beaucoup fish" gefangen. Der obsessive Stimmensammler Smith hatte die Äußerung auf Tonband festgehalten und archiviert. Elf Jahre später kramte er zielsicher den Gesprächsfetzen hervor, um ihn als atmosphärische Beigabe zu einer Nummer namens "Jumbo" zu verwenden. Am Ende entwickelte sich das Zitat zum Titel des neuen, dritten Albums von Underworld.


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