Tränen für Tito & Tudjman

Literatur: Die im Exil lebende Schriftstellerin Dubravka Ugresic wird mit dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur ausgezeichnet werden. Mit dem "Falter" sprach sie über die "Kultur der Lüge" des Tudjman-Regimes, über die amerikanische Auffassung von Literatur und über die Erfindung des Kroatischen.

Kultur | Kirstin Breitenfellner und Klaus Nüchtern | aus FALTER 10/99 vom 10.03.1999

Falter: Frau Ugresic, gibt es so etwas wie eine europäische Literatur überhaupt?

Dubravka Ugresic: Ich habe darüber nicht nachgedacht, bis ich vor kurzem auf die Empfehlung einer Freundin einen hochkompetenten New Yorker Literaturagenten kontaktierte. Ich bekam einen ablehnenden Brief, in dem er folgendes schrieb: "Sehr geehrte Frau Ugresic', ich habe Ihr Buch (Das Museum der bedingungslosen Kapitulation, Red.) gelesen, und es ist wunderbar, aber es ist ein zutiefst europäischer Roman." Da begann ich nachdenklich zu werden und bemerkte, daß wir europäischen Schriftsteller in Amerika alle im selben Boot sitzen. In der amerikanischen Literaturkritik läßt sich eine verborgene oder auch völlig offene Propaganda für jene Art von Literatur beobachten, die vom Markt bevorzugt wird. Wenn das gut ist, was sich gut verkauft, was machen wir dann mit Robert Musil? Erst unlängst las ich in der New York Times Bookreview eine große Besprechung, die ein Buch von Martin Amis lobte, weil er der


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