Aufgeblättert

Christian Zillner | aus FALTER 10/99 vom 10.03.1999

Fast mutet es wie späte Rache an: Zwei Autoren aus ehemaligen britischen (Straf-)Kolonien schreiben über die Hauptstadt des untergegangenen Empire. Der Kanadier Ross King hat sich in seinem Buch "Das Labyrinth der Welt" das London des 17. Jahrhunderts vorgenommen, der Australier Peter Carey schildert in "Die geheimen Machenschaften des Jack Maggs" die Stadt zur Zeit des jungen Charles Dickens, der unter dem Namen Tobias Oates als Gegenspieler des Jack Maggs firmiert. Wer Dickens' "Große Erwartungen" kennt, wird beim Lesen von Careys Roman ein Deja-vu erfahren. Es ist eine Paraphrase auf die Geschichte vom geläuterten Häftling in Australien, der heimlich Erziehung und Lebensunterhalt eines armen Waisenknaben finanziert und ihn zum Gentleman macht. Freilich gehorcht Careys Version der zynischen Vernunft unserer Tage, weswegen sich alle Figuren vom Häftling Maggs bis zum Schriftsteller Oates als feste Arschlöcher erweisen.

Held und Erzähler von Kings Roman ist ein vierzigjähriger Buchhändler


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