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Kultur | W.Kralicek / C.Fastner | aus FALTER 10/99 vom 10.03.1999

Eine neue Spätabendleiste wurde am vergangenen Wochenende im Kabarett Niedermair eröffnet. An jedem ersten Samstag im Monat lädt sich Martin Puntigam unter dem Motto "Beschwingt am Sonnabend" einen Gast ein, um mit diesem "Humor, Musik und gute Laune" zu verbreiten. Man müsse sich nur die "Schnittmenge aus Onkologie und schwindender Kaufkraft" imaginieren, sprach Puntigam in seinem überaus blumigen Einführungsvortrag, dann habe man eine ungefähre Vorstellung davon, worum es in dieser Serie gehen werde. Dann kam der erste Gast, Günther "Gunkl" Paal, auf die Bühne, und es entwickelte sich ein denkbar unergiebiges Gespräch, das schließlich gänzlich zum Erliegen kam, weil der Gastgeber aufgrund von privaten Sorgen einen Weinkrampf erlitt - konsequenterweise kam Puntigam nach der Pause dann gar nicht mehr auf die Bühne. Das Physikexperiment, das er vorbereitet hatte, wird er deshalb erst am 3. April vorzeigen können, wenn die Herren Baier und Votava zu Gast sind. Herr Puntigam weist übrigens höflich darauf hin, daß es sich dabei um den ersten Abend im neuen Quartal handelt: "Also bitte nicht vergessen, einen neuen Krankenschein mitzubringen!"

Warum tat sich die Wiener Kammeroper ausgerechnet Igor Strawinskys "The Rake's Progress" an? Wenn ein Opernhaus unter seinen Bedingungen nicht für Riesentrubel sorgen kann, wird der nicht gerade subtile Parforceritt des Neoklassizisten durch beinahe alle Epochen der Operngeschichte schnell zu langwierig. Allein durch Strawinskys farbenprächtige Instrumentalisierung wird die über zweistündige Moralpredigt auch nicht anregender - selbst wenn sie vom Orchester der Kammeroper unter Peter Marschik tadellos umgesetzt wurde. Auch die witzige Inszenierung von Henry Mason hilft nur stellenweise. Immerhin bietet die als Nummernrevue angelegte Oper den Sängern ausreichend Gelegenheit zur Darstellung auf der von Maxi Tschunko gekonnt durchbrochenen Guckkastenbühne. Und vor allem Wright Moore (Tom Rakewell) konnte diese Gelegenheit voll nutzen.


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