Comandantina Dusilova: Nachrichtendienstliches

Stadtleben | aus FALTER 10/99 vom 10.03.1999

Die Sprache der Spione ähnelt jener der Diplomaten zumindest in ihrer Intention, garstige Sachverhalte reizend zu umschreiben. Das haben sich die Spione von ihren großen Vorbildern, den Diplomaten, abgeschaut. Weil Spione aus Sicherheitsgründen nie Spione heißen, heißt Spionage natürlich auch nie Spionage, sondern stets Nachrichtenbeschaffung. Außerdem besagt Mata Haris Law: Je wichtiger eine Nachricht, desto Agent. Spione heißen also Agenten. Oder Ejdschents, wenn sie sich der Sprache Shakespeares bedienen. Und weil sich Ejdschents aus Standesgründen gerne unter ihresgleichen aufhalten, hat sich eine Regel als brauchbar erwiesen, die besagt: Information für den Freund, Desinformation für den Feind. Der befreundete Dienst, von dem ich bislang versorgt wurde, nennt sich vertraulich Post. Der mir nachrichtendienstlich zugeteilte Agent wiederum bedient sich des Tarnnamens Briefträger und als Übergabemodalität ist das Verbringen der Nachrichten in ein Blechfach in meinem Stiegenhaus vorgesehen. Es trägt die Nummer 22 (1,55 Euro). Zu diesem Blechfach haben Agent Briefträger und ich identische Schlüssel. Seit aber dort wiederholt Depeschen der Agenten Michelfeit, Saturn und Kika einlangten, meine ich, daß es sich bei Post um einen feindlichen Dienst handeln muß.


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