Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 11/99 vom 17.03.1999

... gab die damals im ORF ausgestrahlte US-Serie "Holocaust" Anlaß, an zwei Filme - Straubs "Nicht versöhnt" und Farockis "Zwischen zwei Kriegen" - zu erinnern und Gelegenheit, ein kleines, wenn auch böses Stimmchen gegen diese sonst im Medienbereich gelobte Serie abzugeben.

Wie überall, gab es auch in Österreich einen Vorbereitungskurs des Medienverbunds zu Holocaust. Einhellig wurde darin das Publikum auf demokratische Reife vorbereitet, jetzt, nach 34 Jahren, sei man mündig usw.

Ausnahme: Thomas Chorherr, der notorische Chefredakteur der Presse. Er unternahm einen kleinen Vorstoß, der sich später als Ausrutscher herausstellte. Darin lehnte er den "Holocaust-Masochismus" ab, mußte aber später einsehen, daß er im falschen Konzert gesungen hatte. Also sprach die Presse: "So war es wirklich".

Der ORF steht in diesem Konzert als mutig da, und seine Entscheidung erscheint "begrüßenswert". Hierbei handelt es sich um den üblichen Mut des ORF, der bekanntlich außer Sport alles als letzter auf der Welt sendet, außer dem, was niemand sehen will.

Der Medienverbund ist enger verbunden denn je. So druckte BILD das Buch zum Film ab, was noch nichts für BILD beweist. Die einzige Zeitung, die voll der ihr von vornherein zugedachten Rolle entsprach, war die Zeitung, die es laut Verbotsgesetz der Republik Österreich gar nicht geben dürfte. Dort wird Herr Axel Springer beschuldigt, ein erpreßter Agent des Weltzionismus zu sein. Vergebens erinnert man ihn an seine bessere Vergangenheit, als er die Juden noch "Vampire" und "Pöbel" zu bezeichnen pflegte. Tempi passati! Heute macht er Stimmung für "Holocaust".

Auch wir können uns dieser Aktion nicht entziehen. Denn daß dieser Film keine Auseinandersetzung mit Geschichte ist, sondern bestenfalls dazu Anlaß bieten kann, muß gesagt werden, selbst um den Preis, daß wir nur noch ein Stimmlein im Konzert der Medien abgeben.

"Nicht versöhnt" von Jean-Marie Straub


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