Oskar lebt!

Kommentar: Das Ungeschick des deutschen Superministers hat zu seinem Rücktritt geführt, nicht seine Politik.

Vorwort | Raimund Löw | aus FALTER 11/99 vom 17.03.1999

Am leichtesten haben es die Briten: Der putschartige Abgang Oskar Lafontaines erscheint ihnen als kontinentaler Durchbruch für "New Labour" in der sonst nach wie vor von den linken Traditionen des "Old Labour" beherrschten europäischen Sozialdemokratie. Die Financial Times ("Oskar Bravo!") will sogar von "entkorkten Champagnerflaschen in Downing Street 10" wissen - höchst ungewohnte Emotionen beim Rücktritt eines deutschen Ministers.

Frankreich dagegen ist verunsichert: Der visionäre SPD-Vorsitzende galt als echter Sozialist und frankophil noch dazu. Ein Gegengewicht zu dem zur Ideologie erhobenen Pragmatismus des Schröder-Teams. Dominique Strauss-Kahn, der französische Finanzminister, bleibt jetzt als einziger profilierter Anwalt eines europäischen Sozialmodells in den obersten Finanzsphären der G 7.

Italiens Massimo D'Alema wiederum denkt vor allem an die sich nun ergebenden Karrierechancen für seinen Rivalen Romano Prodi: Lafontaine werde jetzt wohl kaum Anspruch auf den Posten


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