Vier Tritte & kein Halleluja

Polizeiskandal: Vergangene Woche berichtete der "Falter" exklusiv über Mißhandlungsvorwürfe gegen Wiener Polizeibeamte. Nun reagieren die Behörden - doch anstatt apparatimmanente Mißstände offensiv anzugehen, beschwichtigt der Innenminister: "Lauter Einzeltäter."

Politik | Thomas Rottenberg, Patrik Volf und Nina Weissensteiner | aus FALTER 11/99 vom 17.03.1999

Karl Schlögl griff zum Telefon. Der Innenminister will sich "diesmal persönlich ein Bild machen". Die Festnahme eines Schwarzen artete Anfang März in der U-Bahn-Station Schottenring zu einer Gewaltorgie aus (siehe Falter 10). Zwei uniformierte Polizeibeamte prügelten den Schwarzafrikaner krankenhausreif. Unter wüsten Beschimpfungen wie "Du dreckige Negersau, di mach' i fertig". Was den mitternächtlichen Vorfall von anderen Vorwürfen unterscheidet: Fünf Augenzeugen haben die Ereignisse beobachtet und erklären sich auch bereit auszusagen.

Schon einen Tag, nach dem Falter- Bericht lud der Innenminister die Zeugen ein. Schlögl hielt die Angelegenheit für wichtig genug, auch Michael Sika, den Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, und Wiens Polizeipräsidenten Peter Stiedl zu laden. Neues oder Entschärfendes erfuhren die höchsten Polizisten der Republik nicht: Die Zeugen bestätigten, was sie im Falter gesagt hatten: Schläge und Tritte gegen den Kopf des wehrlosen Opfers,


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