"Ich lerne immer"

Nachruf: "Ich glaube, die meisten vertrauen mir, weil ich keine wirtschaftlichen Interessen habe." Zum Tod des Geigers und Pazifisten Yehudi Menuhin.

Carsten Fastner | Kultur | aus FALTER 11/99 vom 17.03.1999

"Es gibt auch schlechte Gefühle. Aber in der Kunst können wir sie schildern ohne Gift."

Yehudi Menuhin (August 1998) Pläne hatte Yehudi Menuhin noch für Jahre. Letzten August erzählte er dem Falter von seinen Hoffnungen, die er in das von ihm organisierte Europäische Kulturparlament setzte, warnte vor Nationalismus als Geschrei "sehr dummer und egoistischer Tyrannen, die versuchen, ihre Musik unisono zu bilden", schwärmte von Johann Sebastian Bach, dessen Bedeutung er gerade erst zu verstehen beginne, und geriet über die Mechanismen des modernen Kulturbetriebs in Rage. Von altersbedingter Abgeklärtheit oder künstlerischer Abgehobenheit keine Spur - dem 82jährigen war nichts egal: "Ich lerne immer."

Was Menuhin lernte, das wollte er dann auch vermitteln; zunächst mit Hilfe der Musik. 1922, im Alter von sechs Jahren, gab der in New York geborene Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in San Francisco sein erstes Konzert, innerhalb kürzester Zeit wurde er zum international

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