Mann aus Gummi

Film: Der Film "Komm und sieh Rudyn" ermöglicht die Wiederentdeckung eines Großen des Wiener Kabaretts.

Michael Omasta | Kultur | aus FALTER 11/99 vom 17.03.1999

Seinen Namen sucht man in den Anthologien übers Wiener Kabarett der zwanziger Jahre meist vergebens, obwohl er seinerzeit eine lokale Berühmtheit war: Rudolf Schmitz alias Werner Rudyn alias Rudi Rudyn, Lebenskünstler aus Berufung und Tänzer, Akrobat, Schauspieler von Beruf. Seine Wiederentdeckung verdankt sich einem Zufall. Friedemann Derschmidt lernte den heute 94jährigen Wiener kennen, als er in einem Altersheim seinen Zivildienst antrat. Resultat dieser Begegnung ist das Filmporträt "Komm und sieh Rudyn" (Co-Regie: Walter Pucher), in dem der Titelheld sein bewegtes Leben noch einmal Revue passieren läßt.

Die Erinnerung arbeitet selektiv, in einzelnen Geschichten, die historische Ereignisse zu einer sehr persönlichen Chronik des 20. Jahrhunderts addierten. Rudyn ist mit seinen jungen Interviewpartnern per du, ein gewitzter Erzähler und Conferencier eines Lebens, dessen Weg der Nationalsozialismus zu einem großen Teil vorherbestimmt hat. 1933 emigrierte er nach Palästina und

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