Zurück in die Zukunft

Architektur: Vor dem Krieg als "viel zu modern" kritisiert, machte sich Hans Steineder nach 1945 zum Sprachrohr eines biedermeierlichen Architekturverständnisses. Eine Ausstellung im Architektur Zentrum geht diesem Paradox nach.

Kultur | Roland Kanfer | aus FALTER 11/99 vom 17.03.1999

Bereits mit 22 Jahren wurde Hans Steineder für den Entwurf eines Industriebaus ausgezeichnet. Im gleichen Jahr eröffnete der junge Linzer ein eigenes Atelier in seiner Heimatstadt. Studiert hatte Steineder, der am 27. Februar 95 Jahre alt geworden wäre, in Wien bei Peter Behrens, dessen Meisterklasse für Architektur ein Kristallisationspunkt der spätexpressionistischen Moderne war.

Ein unaufgefordert gelieferter Entwurf für ein Realgymnasium in Wels wurde damals, 1927, als "viel zu modern" bezeichnet. Dennoch gelang es Steineder, als Hausarchitekt der Linzer Schulschwestern Fuß zu fassen. Bis 1935 baute er fünf Schulen in Linz, Wels, Ried, Hallein und Attnang-Puchheim. Seine Bauten, aber auch von ihm entworfene Gebrauchsgegenstände - die Ausstellung zeigt unter anderem eine Zigarettendose und einen Tisch - sind in ihrer klaren Linienführung und Expressivität zeitlos modern, sie könnten genausogut aus einem Atelier der neunziger Jahre stammen.

Ein interessantes Experiment Steineders


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