Aufgeblättert

17.03.1999

Auch die schöne Literatur hat das Ihre zum teilvereinigten Europa zu sagen. Der Engländer Tim Parks hat seinen Roman gleich programmatisch "Europa" genannt und einen Bus voll mit Fremdsprachenlektoren nach Straßburg geschickt. Bevor dort eine Petition eingereicht wird, hat der 45jährige Jeremy Marlowe aber noch ausführlich Gelegenheit, dem desillusionierenden Ende seiner amour fou zu einer mitreisenden Kollegin nachzusinnen. Wenn ihn seine Kumpane nicht gerade in testosterongesättigte Betrachtungen verstricken, produziert er jene mehr oder weniger banalen Syllogismen der Bitterkeit, mit denen liebesweidwunde Männer halt so um sich werfen, wenn ihnen andere Menschen die üble Laune verderben. Das ist eine Zeitlang amüsant, hält auch die ein oder andere bedenkenswerte Reflexion über das Wesen der Erinnerung bereit, geht einem in seinem permanenten Sarkasmus und Entlarvungswahn gegenüber dem "Klebstoff, der Paare und Nationen und Reisegruppen zusammenhält" aber bald auf die Nerven.

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