Nüchtern betrachtet: Freiwillige Selbstverglaserung

Kultur | aus FALTER 11/99 vom 17.03.1999

Seit 6. März ist es soweit. Ich bin kein durchschnittlich opaker Durchschnittsanonymus mehr, sondern habe mich klarsten Bewußtseins dazu entschieden, ab sofort das Leben eines gläsernen Menschen zu führen. Früher gab's den ja nur im Haus der Natur in Salzburg. Früher habe ich in Salzburg immer die Oma und den gläsernen Menschen besucht, heute bin ich beim BILLA-Vorteilsklub. Bankomatkarte genügt. In das goldene Quadrat, den sogen. Chip, kommt dann die Information rein. "Sie hauen dir nur Cookies drauf", raunt mir die Gemeinschaft der elektronischen Auskennerfront zu. Von mir aus kann ein ganzes Keksgewitter auf den kleinen güldenen Merkefroh herabprasseln. Der soll ruhig was zu knabbern haben.

"Sie wollen nur dein Kaufverhalten rauskriegen", empört sich die konsumkritische Auskennerfront. Na, wunderbar! Endlich kann ich mit meinem Geld abstimmen. Vielleicht stellen sie dann wenigstens den Gin neben das Tonic und den Mozarella neben die Avocados und überlegen sich auch gleich noch


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