Eine Bombenmoral

Vorwort | Siegfried Mattl | aus FALTER 13/99 vom 31.03.1999

Kommentar: Endlich ist es den österreichischen Medien gelungen, Moralphilosophie und Geopolitik zu versöhnen.

Nach Muttertag, Vatertag, Tag der Milch, nun also "Tag der Bomben". Das Copyright liegt bei Andreas Unterberger (Die Presse, 24.3.1999), der, so die lauen Pazifisten hierzulande, hinter die Nato und gegen Jugoslawien zwingen will: "Wer glaubt, jetzt ,neutral' ins hinterste Glied treten zu können, macht sich der Komplizenschaft mit Massenmördern (vom Schlage Slobodan Milosevic'') schuldig."

Krieg und Journalismus sind, wie wir wissen, so eine Sache. Die Dramatik des Geschehens, namentlich wenn Fernsehbilder im Spiel sind, schreibt die appellative Rhetorik und die Drastik der Gesinnungsoffenbarung nun einmal vor. Selbst der leidenschaftliche Raucher und Anti-Sportler Georg Hoffmann-Ostenhoff surft wie Major T. J. Kong in Kubricks "Dr. Strangelove" auf "moralischen Bomben" (profil, 13/99) durch den Äther über Belgrad. Doch diesmal und nach einer Woche, die uns statt einer politischen


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