Standpunkt: Das Denim-Land

Politik | aus FALTER 13/99 vom 31.03.1999

Die Damenhand, die unters Jeanshemd fahren will, wird von starker Männerpranke abgefangen. So etwas mag der Österreicher: Denim zählt zu den drei meistverkauften Herrendüften. Wir haben keine Ahnung, wonach der Schweizer riecht - aber es kann nicht Denim sein. Denn nur wer nach Denim riecht, hat "jede Situation fest im Griff" - und der Schweizer sein Land offensichtlich nicht. Jedenfalls erlebte das der chinesische Staatschef Jiang Zemin bei seinem Staatsbesuch bei den Eidgenossen. Hatten die widerspenstigen Älpler doch nicht verhindert, daß Menschenrechtsdemonstranten bis in Sicht- und Hörweite des Staatsmannes aus Fernost vordringen konnten. Zemin war empört und maßregelte die Regierung: Sie hätte ihr Land nicht im Griff. In Österreich hingegen fühlte sich der Herr aus China fast genauso wohl wie zu Hause. Demonstrationen durften nur fernab der Routen und Wege des Herrschers im Reich der Mitte abgehalten werden - und Bundespräsident Klestil war es nicht zu peinlich, das Nichtzustandekommen einer europäischen Human-Rights-Resolution an China als "Erfolg, weil man so weiter verhandeln kann", zu beschreiben. China ist ein großer, wichtiger Handelspartner. Vermutlich gilt Denim dort als besonders elitärer Designerduft. In Österreich tut es das. Man kann es riechen. T. R.


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