"Sie tun mir leid"

Reportage Tausende Serben haben durch den Krieg den Kontakt zu ihren Familien verloren. Ihre Verzweiflung treibt sie auf die Straßen. Im Gebrüll der Nationalisten gehen die wenigen kritischen Stimmen unter. Denn nicht jeder, der gegen die NATO demonstriert, steht hinter Milosevic'. Noch nicht.

Politik | Gerald John und Florian Klenk | aus FALTER 13/99 vom 31.03.1999

Milosevic' lächelt in der Boltzmanngasse. Stolz hält das kleine Mädchen mit dem schicken Pagenkopf das barock gerahmte Porträt ihres Präsidenten in die Höhe. "Slobo! Slobo!" plärrt die Masse hinter ihr und spreizt drei Finger zum serbischen Gruß: "Nedamo Kosovo! Nedamo Kosovo!" skandiert die Menge weiter: Wir geben den Kosovo nicht her.

Als am vergangenen Freitag rund 5000 serbische Gastarbeiter von der Innenstadt in Richtung Boltzmanngasse zogen, um die schwer bewachte amerikanische Botschaft mit Eiern und Tomaten zu bewerfen (tatsächlich wurden das Nachbarhaus und die Polizei getroffen), erlebte Wien seine erste nationalistische Demonstration: Unter radikalem Gebrüll wurden amerikanische Fahnen verbrannt und Plakate des amerikanischen Präsidenten zerrissen. Mit seltsamen Uniformen bekleidete Obmänner serbischer Kulturvereine peitschten die Masse der 5000 Gastarbeiter mit nationalistischen Parolen ein: "Srbia! Srbia!" Die Menge jubelt zurück: "Srbia! Srbia!" "Nato Faschisti!"


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