Marilyn auf Tour

Behinderte: Vergangene Woche war Marilyn Golden, eine Galionsfigur der amerikanischen Behindertenszene, in Wien und warb für die Normalisierung des Verhaltens gegenüber Behinderten.

Kultur | Thomas Rottenberg | aus FALTER 13/99 vom 31.03.1999

Das ist nichts Besonderes." Der Buchhändlerin Sigrid Ilgner ist anzusehen, daß ihr das Statement wichtig war. "Es hat nichts damit zu tun, daß wir eine Buchhandlung für pädagogische Bücher sind. Das wäre in jedem Klein- oder Mittelbetrieb möglich. Man muß nur wollen." Die Umstehenden nicken. In der Mitte sitzt Dieter. Er ist nervös und versucht trotzdem, seine Arbeit so zu machen, als wäre das Dutzend Menschen um seinen Tisch nicht da. Dieter ist behindert. Down-Syndrom. Er arbeitet in der pädagogischen Buchhandlung in der Strozzigasse. Das sei ganz normal, meint er. Das meinen auch seine Chefin, seine Mutter und seine Betreuer. Weil diese Normalität aber nicht Common sense ist, reden die Leute um Dieter über ihn hinweg. Die Szene erinnert an eine Freakshow.

Dabei sind die Besucher mit den besten Beweggründen in der Strozzigasse eingefallen. Um Normalität zu zeigen, muß man sie inszenieren, als wäre sie außergewöhnlich. Mit diesem Widerspruch hat Marilyn Golden zu leben


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