Bedient: Mailbox als Zeuge

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 13/99 vom 31.03.1999

Der Prozeß: Verkehrsunfall, Widerstand. Anwesend: zwei Weiße (mit Uniform), ein Schwarzer (mit Handy). Eine Richterin (ohne Handy). Weiße Version: Afrikaner war betrunken. Hat randaliert. Wurde - mit den Händen am Rücken - gefesselt und angezeigt. Schwarze Version: Alkotest ergab 0,1 Promille. Hat nicht randaliert. Wurde nicht gefesselt, sondern vom Polizisten ("I daschiass di'!") mehrmals "abgefotzt". "Also, wie war des wirklich?" fragt die Richterin. "Ich war nicht gefesselt, denn ich habe meine Frau übers Handy aus dem Polizeiauto angerufen", sagt der Schwarze. Geheim, mit Kurzwahltaste. Das Handy im Sakko versteckt. Die Ehefrau hörte mit: ",Jesus, Jesus!' hat er geschrien." Das Telefonat bricht ab. Die Frau versucht mehrmals zurückzurufen. Vergeblich. Die Polizei läßt den Afrikaner nicht abheben. "Können S' des alles beweisen?" fragt die Richterin. Anwalt Thomas Prader legt die "Rufdatenerfassung" vor. Es wurde tatsächlich telefoniert. "Sie lügen!" sagt die Richterin: "Ich hab' mich erkundigt: Ihre Frau hat nur die Mailbox angerufen. Das können Sie gar nicht hören!" "Doch", erklärt der Beschuldigte: "es läutet ja, bis sich die mailbox einschaltet!". "Des probier' ma aus", schlägt die Richterin vor: "Rufen S' mich an." Das Amtstelefon schrillt. "So, jetzt schreien Sie: ,Jesus, Jesus'! Angeklagter schreit. "Jetzt legen S' auf!", Angeklagter legt auf. "Warum schaltet sich jetzt nicht die Mailbox ein?" "Weil ich aufgelegt habe." "Ah so. Aber wenn ich Sie anrufe, schaltet sich die Mailbox ein?" "Ja, wenn ich nicht abhebe." "Sie haben doch nicht gelogen." Freispruch. Anzeige gegen die Polizisten.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at


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