Kommentar: Cuba libre und Cohibas für alle!

Kultur | Vitus H.Weh | aus FALTER 13/99 vom 31.03.1999

Zur letzten Jahrhundertwende waren Japan und China angesagt. Man schwärmte im Kimono von eleganten Holzschnitten und ließ sich von Hokusei-Wellen überrollen. Es ist wohl eine typische Bewegung jedes Fin de siecle, den eigenen historischen Hintergrund zugunsten exotischer Träume aufgeben zu wollen. Diesmal, kurz vor 2000, scheint Kuba der Fluchtpunkt zu sein: Keinem Fleck der Erde wird derzeit soviel Aufmerksamkeit, soviel kulturelles Interesse zuteil wie dieser Insel. Kein österreichisches Medium ohne Kuba-Feature, keine Kunstinstitution ohne entsprechendes Projekt.

Die Gründe sind überaus durchschaubar. In Zeiten des globalisierten Kapitalismus erscheint Kuba wie die letzte Trutzburg einer ehemaligen Alternative: das einzige Land, das noch Sozialismus mit angenehmem Klima kombiniert. Dazu Zuckerrohrschnaps und heiße Rhythmen. Dort auszuspannen von unserer fortschrittlichen und materialistischen Gesellschaft sei jedem gegönnt. Cuba libre für alle!

Man sollte seine Ferienbedürfnisse


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige