Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 13/99 vom 31.03.1999

Das fängt ja gut an: Die Bühne (Gernot Sommerfeld) ist eine große, helle Küche, und während die Zuschauer noch ihre Plätze suchen, ist Köchin Kristin (Margarete Corneer) schon dabei, zu heiterer Musik ein lecker duftendes Mahl zuzubereiten. Ein ungewöhnlich kulinarischer Auftakt für ein Trauerspiel: Überhaupt ist die Inszenierung von August Strindbergs Einakter "Fräulein Julie" in der Gruppe 80 luftig und leicht geraten, wie man es an diesem Theater nicht unbedingt gewöhnt ist - Regie führte nicht der melancholische Hausherr Helmut Wiesner, sondern der Schweizer Stefan Weber. "Fräulein Julie" ist die meisterliche Studie eines One-night-stands und seiner Folgen; Strindberg war zwar ein notorischer Frauenhasser, aber auch ein viel zu guter Dramatiker, als daß die "Schuldfrage" eindeutig zu klären wäre. Katrin Thurm (als Fräulein Julie) und Hary Prinz (als Kammerdiener Jean) spielen diese Ambivalenz recht geschickt aus; die Inszenierung aber ist ingesamt zu unentschieden, um wirklich spannend zu sein.

Das hört ja gut auf: Zum letzten Mal ist das Moulin Rouge in seiner alten Pracht zu erleben, und nicht nur deswegen ist die aktuelle Produktion von Robert Quittas Österreichischem Theater eine Empfehlung. Zu den Eigenheiten von Quittas Stücken gehört es, daß das Konzept meist rasch durchschaut ist - man weiß schon am Anfang, wie's aufhören wird. Je nachdem, wie tragfähig der jeweilige Einfall ist, wirkt Quittas Dramaturgie entweder lähmend oder konsequent - für den aktuellen Fall gilt letzteres. Die Idee für "Lachendes Glück" ist so einfach und überzeugend, daß man sich wundert, warum noch keiner draufgekommen ist. Quitta montiert sieben "Happy-Ends" aus sieben Operetten von Kalman und Lehar hintereinander; das Publikum sitzt - etwas unbequem - auf Barhockern in der "Manege", während in den Logen geturtelt, geschmust und gesungen wird. 100 Minuten reinen Operettenwahnsinns, so hemmungslos verlogen, daß es schon wieder wahr ist: Wer siebenmal lügt, dem glaubt man nicht.


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