Stunde der Melancholie

Literatur: Trennung und Scheidung sind schmerzhaft, als literarischer Stoff also bestens geeignet. Richard Bausch und James Salter haben sich dieses Themas auf sehr unterschiedliche Weise bedient.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 13/99 vom 31.03.1999

Geht man davon aus, daß die serielle Monogamie in unserer Gesellschaft das hegemoniale Beziehungsmuster darstellt, dann entspricht die gesamtgesellschaftliche Anzahl der Trennungen in etwa derjenigen der Liebschaften. Die Realitätshaltigkeit von Literatur einmal vorausgesetzt, ist Trennung also ein überaus lohnendes literarisches Thema, und "Die natürlichen Auswirkungen einer Scheidung" ein prima Titel für einen Band von Short stories. Der amerikanische Schriftsteller Richard Bausch (Jahrgang 1945) beschreibt darin in der Titelgeschichte, wie der Vater eines siebenjährigen Sohnes zurechtkommt, nachdem er von seiner Frau verlassen worden ist, die mit ihrem Liebhaber in 3000 Kilometer Entfernung ein neues Leben beginnt.

Aber nicht nur der postehelichen Existenz spüren die insgesamt acht Kurzgeschichten nach, sondern auch jener "Schlechtwetterperiode", die Ehepaare halt so durchmachen ("Wetter"), oder jener rasch sich wieder verflüchtigenden Erleichterung des Mannes über das (un)gewollte


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