Tier der Woche: Pischofskonferenz

"Russische Nationalisten veranstalteten gestern am Eingangstor und an der Mauer der US-Botschaft in Moskau ein Wett-Urinieren." Kronen Zeitung, 26. März 1999

Stadtleben | Peter Iwaniewicz: peter.iwaniewicz@blackbox.at | aus FALTER 13/99 vom 31.03.1999

Dieser Pressemeldung war leider nicht zu entnehmen, worin denn eigentlich der Wettbewerb bestand. War Geschwindigkeit bei der Blasenentleerung gefragt oder die maximal benetzte Fläche an Mauerwerk? Ging es gar um die Intensität der Duftmarke, wurden Farbe und Form des Lulutattoos von einer Jury bewertet? Wir wissen es nicht. Fotos des Botschaftsgebäudes sowie des Siegers mit dem noch tröpfelnden Sportgerät blieben uns erspart, aber wir können vermuten, daß es sich beim kompetitiven Urinieren um eine spezifisch maskuline Mimik Geste handelt.

Eine neu erschienene Studie unterstützt diese Vermutung und dehnt dieses pissher vor allem männlichen Hunden und Menschen eigene Verhalten nun auch auf Hummerrüden aus.

Diese würden einen ihnen überlegenen Artgenossen schon an Menge und Geruch des Urins erkennen, fanden Wissenschaftler der Universität Boston heraus. Je mehr und je häufiger die Blase entleert werden kann, desto dominanter und ranghöher sei der Hummer, was den schwächeren Individuen sowohl wertvolle Information über den Gegner als auch Zeit zur Flucht gäbe.

Ursprünglich wollten die Biologen ja nur der Frage nachgehen, warum Krustentiere überhaupt eine Harnblase haben, wo sie doch ihre Stoffwechselprodukte auch kontinuierlich und in kleinen Mengen ins umgebende Wasser absondern könnten. Da sich ho. Kolumne stets um besondere Lesernähe, populäre Sprachform und Alltagstauglichkeit bemüht, darf der Forschungsansatz nochmals und wienerisch formuliert werden: Warum schwitzens' die nicht einfach heraus, sondern machen sich die Mühe, den Mist zwischenzulagern? Jetzt ist es klar: Auch Männchen haben sich viel zu sagen, sie benützen zur Kommunikation nur ein anderes Organ.

Kleiner Nachtrag: Die Harnblase der Krebstiere liegt nicht dort, wo auch der Kaiser zu Fuß hingeht diese trägt, nämlich hinter der Schambeinfuge, vor dem Mastdarm und oberhalb der Prostata, sondern direkt vor dem Gehirn, an der Basis des zweiten Fühlerpaares.


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