Herzen an der Börse

Sozialdemokratie: Der zurückgetretene deutsche Finanzminister Oskar Lafontaine - ein Bremser bei der Modernisierung der Sozialdemokratie? Oder doch das letzte Bollwerk gegen den neoliberalen Zeitgeist? In einem ironischen Brief an Lafontaine nimmt der Ökonom Stephan Schulmeister die Politik der "neuen" Roten aufs Korn.

Politik | aus FALTER 14/99 vom 07.04.1999

Lieber Oskar Lafontaine! Wenn Freiheit "Einsicht in die Notwendigkeit" bedeutet, darf man Ihnen herzlich gratulieren: Sie haben sich mit Ihrem Rücktritt frei gemacht. Wird diese Einsicht auch die Zukunft der "neuen" Roten bestimmen, oder werden Ihre Thesen die Sozialdemokratie weiter an einer Erneuerung hindern? Zur Klärung dieser Frage möchte ich Ihre wichtigsten Irrtümer rekapitulieren.

Beginnen wir beim Thema Arbeitslosigkeit. Sie meinen, Arbeitslosigkeit werde nicht allein durch Reallöhne und Marktflexibilität bestimmt, vielmehr käme es auch auf die makroökonomischen Rahmenbedingungen an, wie auf niedrige Zinssätze, stabile Wechselkurse und öffentliche Investitionen. Lohnzurückhaltung allein könne das Problem sogar verschärfen, da sie Massenkaufkraft und Konsum dämpft.

Richtig ist wohl, daß die Arbeitslosigkeit in Deutschland gerade in jener Periode am stärksten stieg, in der die Lohnquote am stärksten zurückging, nämlich in den letzten 20 Jahren. Dennoch zeigt Ihre


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