Fernsehen

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 14/99 vom 07.04.1999

CNN, das war schon im Golfkrieg so, läuft zu Hochform auf, wenn es irgendwo kracht. Etwas beschönigend firmiert der Krieg vor unserer Haustüre allerdings unter dem CNN-Slogan "Strike against Yugoslavia". Klingt fast wie eine Lausbubenattacke, so ein "Streich gegen Jugoslawien". Weil aber Milosevic', anders als sein irakischer Vorgänger im Amt des internationalen Bösewichts, Live-Reportagen aus dem Krisengebiet nicht zustimmte und nahezu alle westlichen "Propagandaagenten" aus Jugoslawien auswies, blieben nur die Randrepubliken als Kriegsberichtkulisse. Und so steht nun CNN-Reporterin Christiane Amanpour vor kilometerlangen Trecks flüchtender Kosovaren, die fast wie in Zeitlupe an ihrer Kamera vorbeischleichen. Und fast sieht ihr Vorbeigehen an der CNN-Kameras so aus, als hätte es ein CNN-Kriegsberichterstatterassistent auf sendetauglich inszeniert. Aber ist das schon Propaganda, wie die Serben dem Westen vorwerfen? Wenn reales Leid in fernsehwirksames transponiert wird? Ist eine Familie Vertriebener, die für CNN wirksam durchs Bild geht, schon aktiver Darsteller in einer westlichen Propagandasendung?


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