Kunst Kurz

Kultur | Vitus H.Weh | aus FALTER 14/99 vom 07.04.1999

Kriegskunst Der Pop-Gott hätte seine Freude gehabt: Der riesige Schriftzug, der auf dem Dach der Kunsthalle für die laufende Andy-Warhol-Factory-Ausstellung wirbt, verliert plötzlich einige Buchstaben, und aus Werbung wird die präzise Botschaft "And war is a fact". Leider aber konnte poeter c. siegl seinen Plan für den 1. April nicht ganz verwirklichen. Die Polizei schritt ein und stoppte die Schriftverwandlung bei "War is a factory". Am nächsten Tag wurde dann fleißig repariert, und schon am Abend war alles wie zuvor. Aber auch das entspricht den heutigen Vorstellungen vom Krieg: Chirurgisch, sauber und optisch weit weg sollte er sein.

Häuserkampf Anläßlich der Ausstellung von Jean-Michel Basquiat im KunstHausWien (sehr sehenswert, läuft bis 2.5.) finden am 10. und 24.4. Workshops für angehende Graffiti-Schreiber statt. Nach einer Einführung in das kulturelle Umfeld dieses Genres werden die wesentlichsten Prinzipien der Buchstabengestaltung erklärt und per Dia besondere Glanzstücke der Graffitikunst aus aller Welt gezeigt. Mit einer kurzen, praxisbezogenen Einführung in ein paar wichtige staatsbürgerliche Rechte ist man dann fit für den Kampf um Hausfassaden und öffentlichen Raum.

Anmeldungen bei Wiener Graffiti Union, Tel. 317 59 52.

Privatisierungsstreit Es gibt keine Jahreskarten mehr! Für einen jährlichen Betrag von 400 Schilling konnte man bislang alle Bundesmuseen besuchen, so oft man wollte. Damit ist nun Schluß. Die Karten sind vergriffen, und niemand hat Lust, welche nachdrucken zu lassen. Grund ist die grassierende Privatisierung der Museen. Haben sich die verschiedenen Institutionen bislang schon inhaltlich kaum abgesprochen, so raubt ihnen nun die Vollrechtsfähigkeit den letzten Rest an Solidarität. Künftig kämpft jedes Museum alleine um Besucher. Und den Managern der lukrativen Sonderausstellungen waren die Jahreskartenbesitzer immer schon ein Dorn im Auge.


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