Neue Platten

Kultur | aus FALTER 14/99 vom 07.04.1999

ROCK / POP Everlast: Whitey Ford Sings the Blues Tommy Boy / Rough Trade Everlast hat den Blues. Und eine ordentliche Narbe auf der Brust. Das hängt insofern zusammen, als der frühere House-Of-Pain-Vorhüpfer sich einer Herzoperation unterziehen mußte, deren Todesnähe ihm eine hörbar neue Sicht des Lebens bescherte: Der Mittdreißiger bleibt zwar seiner Vergangenheit treu, indem er das erlernte HipHop-Handwerk als Basis seiner Musik verwendet, dazu klampft er jedoch akustischen Blues. Daß diese beiden Disziplinen gut miteinander können, ist spätestens seit Beck bekannt. Everlast setzt also keine neuen Maßstäbe, seine persönlich gehaltenen Songs heben ihn jedoch weit über den Durchschnitt hinaus - auch wenn dem Album ein wenig Dreck fehlt.

Karl Fluch JAZZ Charles Lloyd : Voice in the Night ECM/Lotus Gewiß, dies ist kein Album, nach dem die Geschichte des Jazz neu geschrieben werden muß, keine Einspielung, die Unerwartetes, Abenteuerliches, Gratwanderungen zu Gehör bringt. Aber man muß schon ein etwas verbiesterter Geselle sein, wenn man die ungeheuerliche Musikalität dieses ECM-Allstar-Quartetts nicht einfach genießen kann. Wie sich aus einem unbegleiteten Solo John Abercrombies über der zart rollenden Snare Drum Billy Higgins die Melodie von "God Give Me Strength" (Costello/Bacharach) entwickelt und triumphal entfaltet; wie ein Hauch von "La Paloma" durch "Dorothea's Studio" weht; wie im Uptempo-Bereich von "Homage" über Dave Hollands Stop-and-Go-Bass fein abgestufte und stets kontrollierte Nuancen von Saxophon-Expressivität zu hören sind; wie geschmeidig und körperlos Blues auch sein kann ("Pocket Full of Blues"); wie Charles Lloyd Billy Strayhorns Weltmeisterballade "A Flower Is a Lovesome Thing" mit klarem Legato und quirligen Details in lichte Höhen führt - all das ist schon eine rechte Freude.

Klaus Nüchtern


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