Stadtrand: Eselslulu

Stadtleben | aus FALTER 14/99 vom 07.04.1999

So! Jetzt reicht's! Ich hab' genug, Kaffeehausstadt Wien! Schließt sie alle. Die Kaffeehäuser. Ich habe es satt. Das Eselslulu. Bräunerhof, Hummel, Tirolerhof, Museum und - es muß gesagt werden - Salzgries. Überall Eselslulu. Ich habe euch beobachtet, und ich kann es nicht verstehen. Ihr habt die besten Maschinen. Italienische mit Düsen und Tausenden Rädern. Ihr habt Milch gesunder heimischer Kühe. Ihr habt reschen, frisch gerösteten Kaffee aus Übersee. Aber ihr schafft es nicht. Ihr könnt sie nicht bedienen, die Maschinen. Erstens: Kaffee wird nicht besser, wenn man ihn so lange ins Häferl rinnen läßt, bis er sich in braune, durchsichtige Brühe verwandelt hat. Milch darf nicht so lange geschäumt werden, bis sie sich in Wasser auflöst. Hört auf Ernesto Illy, il presidente: "Die verfluchten Bohnen", predigte er vor Jahren im "Falter", "machen nicht mehr als 50 Prozent aus." Der Rest liegt in der Zubereitung: 30 Milliliter in 30 Sekunden für eine Portion Espresso. Der Rest ist Aufguß. Dreckige Brühe. "Es gibt", sagt Presidente Illy, "mindestens 113 Möglichkeiten, bei der Espressoherstellung etwas falsch zu machen. Es ist also immer eine Art Wunder, wenn wir eine anständige Tasse Kaffee bekommen." Ein Wiener Kaffeehauswunder sollte geschehen. Dann wäre der Boykott beendet. F. K.


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