Comandantina Dusilova: Geheime Pause

Stadtleben | aus FALTER 14/99 vom 07.04.1999

Daß das Spionagehandwerk Schwerstarbeit ist, wurde an dieser Stelle schon behauptet. So beschäftigt mein Liebling unter den feindlichen Diensten, jene Organisation, die sich gegenwärtig Post nennt, ein ganzes Heer von Agenten. Sie sehen aus wie du und ich, sie sprechen wie du und ich (wenn auch langsamer, damit die Abhörabteilung mitschreiben kann), und sie kleiden sich fast wie gu und ich. (Wiewohl sie sich seltener duschen dürften als wir.) In einem aber unterscheiden sich die Agenten der Post gewaltig von dir und mir: Sie machen alle zwischen 12 und 2 Uhr Mittagspause. Alle. Dieses Postamt ist zwischen 12 und 14 Uhr geschlossen, steht denn auch auf großen Plaketten. Was zum Teufel macht aber eine ganze Belegschaft zwei Stunden lang? Blaue Briefe sortieren? Spendenerlagscheine stapeln? Gut abgelegene Telegramme endlich durchgeben? Thermofaxpapier nachlegen? Briefmarkenränder schneiden? Auf Tätigkeiten dieser Art weist nichts hin, denn in der fraglichen Zeit befindet sich niemand im Gebäude. Sämtliche Systeme stehen auf Null, sogar die tropfenden Wasserhähne in den Belegschaftsklos. Alles deutet auf konzertierte Geheimtätigkeit hin. Was die Beamten machen, lesen Sie hier wöchentlich in der Serie: Geheimdienst Post.


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