Das auserwählte Volk

Kosovo-Krieg: Der slowenische Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek im Gespräch über falsche Serbien-Bilder, Peter Handkes "verkehrten Rassismus", Steven Spielbergs "Saving Private Ryan" und den Einsatz von Bodentruppen.

Politik | Klaus Taschwer | aus FALTER 15/99 vom 14.04.1999

Aus Slowenien, einem Teil Ex-Jugoslawiens, stammend, scheine ich dafür prädestiniert zu sein, über den Haß auf den Nächsten zu sprechen." Mit diesen Worten beginnt Slavoj Zizek, psychoanalytisch geschulter Philosoph aus Ljubljana, sein eben erschienenes Buch "Liebe deinen Nächsten? Nein, danke!" Der linke Feuerkopf Zizek hat sich zuletzt mehrfach über den aktuellen Krieg im Kosovo geäußert, so unter anderem in einem vielbeachteten Essay in der Zeit. Vor wenigen Tagen war der 50jährige Fast-forward-Denker in Wien und referierte auf der Tagung "Die Konstruktion von zeitgenössischen politischen Identitäten", die vom Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaft (IFK) veranstaltet wurde.

Falter: Der Krieg gegen Jugoslawien ist von der Nato damit gerechtfertigt worden, daß sie nicht gegen die Bevölkerung Krieg führe, sondern gegen Slobodan Milosevic' als das personifizierte Böse. Ist Milosevic' wirklich die Wurzel allen Übels?

Slavoj Zizek: Wenn die westlichen Mächte die


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