Speicheln als Bürgerpflicht?

Kriminalität: Mittels DNA-Analyse werden immer mehr Verbrechen aufgeklärt. Vergangene Woche überlegte die Wiener Polizei, die Bewohner der Per-Albin-Hanson-Siedlung zum kollektiven Gentest zu bitten, um die Mädchenmorde aufzuklären. Rechtliche Grundlage gibt es dafür keine. Ausreichenden Rechtsschutz auch nicht.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 15/99 vom 14.04.1999

Solang sie mir net im Hintern umananda fahren, mach i mit", sagt der Pensionist und wischt sich den Bierschaum vom Mund: "I war's ja net. I mach' Kinder, oba i bring kane um." Lautes Gelächter. Hier im Arbeiterbeisl der Per-Albin-Hanson-Siedlung sind sich die Männer einig. "Kana weigert se, der wos nix zum Verbergen hot." Mit "dem DNA" wird man sie schon aufspüren, "die Drecksau".

"Die Drecksau" ist jener Wiener Mädchenmörder, der ganz Favoriten Anfang der neunziger Jahre in Angst und Schrecken versetzt hatte. Seit zehn Jahren fahndet die Wiener Polizei erfolglos. Nun, ermutigt durch die Fahndungserfolge im "Bleistiftmord" (nach 25 Jahren konnte ein mutmaßlicher Mädchenmörder mittels DNA-Analyse festgenommen werden), will die Wiener Polizei auch die Favoritner Mädchenmorde aufrollen.

Das könnte, denkt man die geheimsten Wünsche der Polizei zu Ende, so aussehen: Vor dem Olaf-Palme-Hof stellen Polizisten ein paar Tische auf. 3000 Männer schlurfen die dunklen Stiegenhäuser hinunter


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