Die komische Gegend

Stadtplanung: Seit Otto Wagner feststellte, daß der Karlsplatz "kein Platz, sondern eine Gegend" sei, ist ebendort viel Unfug getrieben worden. Kann aus dem verschandelten Platz tatsächlich eine attraktive Gegend werden?

Thomas Rottenberg | Politik | aus FALTER 15/99 vom 14.04.1999

Manchmal muß Renata Kassal-Mikula laut lachen. Zum Beispiel, wenn die Rede auf Architekturwettbewerbe am Karlsplatz kommt. "Im Dezember machen wir eine Ausstellung über das nichtgebaute Wien. Da wird der Karlsplatz eine Hauptrolle spielen." 25 Jahre, erzählt die Kunsthistorikerin des Historischen Museums der Stadt Wien, sei sie nun schon am Platz. In diesen 25 Jahren habe sie schon manchen Wettbewerb ins Land ziehen sehen, der den Platz zwischen Sezession und Musikverein wenn schon nicht grundlegend verbessern, so zumindest ent-katastrophalisieren wollte.

Denn daß der Karlsplatz ein verhunzter Platz ist, ist unbestritten. "Der Karlsplatz hat das grundsätzliche Problem, immer zur Lösung aller Verkehrsprobleme herangezogen worden zu sein", analysiert Adolf Krischanitz, Architekt der Kunsthalle und somit des jüngsten Provisoriums vor Ort, die prinzipielle Provisoriumsrolle des Platzes, den Otto Wagner vor 100 Jahren als "Gegend" beschrieb. Tatsächlich scheint es, als würde der Karlsplatz

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