Die Sturheit des Maultiers

Musik: Mit seinem Album "Mule Variations", dem ersten seit sieben Jahren, knüpft Tom Waits an Meisterwerke wie "Swordfishtrombones" oder "Rain Dogs" an.

Kultur | Karl Fluch | aus FALTER 15/99 vom 14.04.1999

Mule Variations", also "Maultier-Variationen", nennt Tom Waits sein neues Album und erfüllt so bereits mit dem Titel alle Erwartungen an ein selbstgeschaffenes Image, das sein Publikum sucht, findet und liebt. Sturheit galt von jeher als Wahrzeichen des in Pomona/Kalifornien Geborenen, der glaubwürdig den weißen underdog verkörpert, der unbeirrt seinen Neigungen folgt - wenn nötig, mit dem Kopf durch die Wand.

Immer wieder bedient sich Waits im Fundus amerikanischer Stereotypen: Mal belebt er eine schmierige Figur, die aus einem Jim-Thompson-Roman stammen könnte und per Zufall Barpianist geworden ist; ein andermal gibt er sich als windiger Hund im Unterleiberl, der mit dem Messer genauso gut umzugehen weiß wie mit den Karten - feige, ungewaschen und trotzdem liebenswürdig. Authentizität verleiht ihm dabei vor allem seine Stimme. Mit einem von Nikotin geteerten und von Fusel zerfressenen Organ, das ständig um Luft zu ringen scheint, haucht Waits seinen Songs ihr schäbiges Leben


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