Brandbomben auf Hamburg

Literatur. Wie wird Literatur dem Grauen des Krieges gerecht? W.G. Sebald wirft in seinem neuen Essayband der deutschen Literatur vor, sie habe in der Beschreibung des Luftkrieges versagt.

Klaus Kastberger | Kultur | aus FALTER 15/99 vom 14.04.1999

Die Bombardierung deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg hatte verheerende Folgen: Bei einem einzigen Angriff auf Hamburg setzte die Royal Air Force am 28. Juli 1943 zehntausend Tonnen Bomben ab. Der Angriff verfolgte die bewährte Strategie: Erste Sprengsätze zerschlugen Fenster und rissen Türen aus dem Rahmen; leichte Brandsätze steckten die Dachböden in Brand, dann bahnten sich schwere Brandbomben den Weg in die unteren Geschosse. Der Sauerstoffverbrauch des lodernden Feuers löste einen Orkan aus, der Giebel und Dächer fortriß und Feuerwalzen durch die Straßen jagte. In einigen Kanälen brannte das Wasser, in Eisenbahnwaggons schmolzen die Fensterscheiben; in Bäckereien kochte der Zuckervorrat; am nächsten Morgen lagen überall entstellte Leichen herum.

In der Zeit von 1942 bis 1945 wogten in Deutschland Flüchtlingsströme zwischen Stadt und Land hin und her. In den zerstörten Metropolen lebten Menschen jahrelang in Erdhöhlen oder notdürftigen Verschlägen; die bleichen

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