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Literatur & Krieg: Tim O'Briens Erzählungen "Was sie trugen" sind nur das jüngste Beispiel einer literarischen Auseinandersetzung mit den grausamen Vergnügungen des Vietnamkriegs.

Kultur | Christian Zillner | aus FALTER 15/99 vom 14.04.1999

Von den literarischen Verarbeitungen des Vietnamkriegs, die in Amerika erschienen sind, heben sich Tim O'Briens 1990 unter dem Titel "The Things They Carried" (dt: "Was sie trugen") gesammelte Erzählungen insofern ab, als sie nicht nur den Krieg und seine Wirkung auf junge Amerikaner schildern, sondern auch das Erzählen über den Krieg problematisieren: "Grob gesagt, können Sie eine wahre Kriegsgeschichte daran erkennen, daß sie mit kompromißloser Ausschließlichkeit dem Obszönen und Bösen verpflichtet ist." Dieser Satz findet sich in einer Geschichte, in der ein Soldat an die Schwester seines gefallenen Kameraden schreibt, welch wunderbarer Mensch ihr Bruder gewesen sei - "denn er war für jeden Bockmist zu haben, zündete gern Dörfer an und ließ auch sonst öfter mal die Sau raus". Der rührende Nachruf bleibt unbedankt. "Scheiße ej. Da reiße ich mir den Arsch auf und schreibe ihr einen astreinen Brief. Und was passiert? Die blöde Fotze schreibt nicht zurück."

Gut gemeint


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