Glikl und ich

Geschichtswissenschaft: Eine Essaysammlung der US-amerikanischen Historikerin Natalie Zemon Davis zeigt, daß die historische Biografie noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat.

Kultur | Tobias Heyl | aus FALTER 15/99 vom 14.04.1999

Juden seien von jeher besonders für die Rolle des "Nur-Geschäftsmanns" prädestiniert gewesen. Der berühmte deutsche Ökonom Werner Sombart hat diese Behauptung damit begründet, daß Juden - anders als ihre christlichen Konkurrenten - nicht auf die Hindernisse einer "weltflüchtigen Religion" Rücksicht nehmen mußten.

Mit der Autobiografie der Geschäftsfrau Glikl bas Judah Leib (1646/47 bis 1724), die übrigens auch Sombart zitiert, widerspricht die Historikerin Natalie Zemon Davis diesen Thesen. Als Händler und Bankiers nämlich bildeten die europäischen Juden der frühen Neuzeit ein dichtes Netz vielfältiger sozialer Beziehungen. Geschäftliche Tätigkeit war also über den ökonomischen Erfolg hinaus eine interessante Beschäftigung, die "Initiative wecken und den Menschen intensiv beschäftigen konnte". Ein solches Argument konnte der rein funktionalistischen Perspektive, wie sie Sombart einnahm, nicht in den Blick kommen.

In diesem unmittelbaren Interesse am Beruf, das über


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