Nüchtern Betrachtet: Im ULF, um ULF und um ULF herum

Kultur | aus FALTER 15/99 vom 14.04.1999

Wenn ein Deutscher nach Ulf ruft, tut er im Prinzip dasselbe wie ein Niederösterreicher, der auf Melk telefoniert: Er kotzt. Typografisch läßt sich dieser charmante Euphemismus leider nur sehr unzureichend umsetzen. Man muß sich ganz einfach vorstellen, daß das "Uuuhlf" oder das "Möööak" mit höchstmöglicher gutturaler Friktion und dem brachialen Crescendo schwallartigen Erbechens artikuliert wird. Hierzulande ist Ulf ein äußerst seltener Vorname, der ausschließlich homosexuellen Säuglingen vorbehalten ist (so wie Detlef in Deutschland). Wer in Wien Ulf sagt, meint in der Regel ULF, also eine jener hypermodernen Straßenbahngarnituren mit UltraLeinwanden Fußböden, die jetzt auch auf der Linie 6 verkehren. In diesem Sinne möchte ich hier einmal ganz entschieden nach ULF rufen. Möge den nachfolgenden Elterngenerationen das Privileg beschieden sein, sich das Kreuz nicht schon im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt durch unzählige Versuche, einen Kinderwagen in die Straßenbahn


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