Das perfekt gemachte Ding

Essay: Ein Dornbirner pilgert zum Kunsthaus in Bregenz, von dem es heißt, es sei der bedeutendste Kulturbau der Zweiten Republik.

Christian Zillner | 14.04.1999

Du solltest dir das Kunsthaus vom Zumthor anschauen. Es ist großartig." Diese Empfehlung gab mir ein im Bregenzerwald geborener, nun in Bregenz ansässiger Architekt. Da Zumthors Kunsthaus in Bregenz steht, erfüllte sie mich zunächst mit Mißtrauen.

Als gebürtiger Dornbirner habe ich schon im Kindesalter aus dem Mund unseres damaligen Bürgermeisters Bohle - sein Wahlspruch lautete: "Der Stadt zum Wohle, wieder Bohle!" - nichts Gutes über die Landeshauptstadt gehört. Bregenz sei das "Hafen- und Hurenviertel von Dornbirn" - man kann sich vorstellen, was Bohles Worte im Herzen eines jungen Dornbirners angerichtet haben. Seitdem fühle ich mich bei jedem Spaziergang durch Bregenz wie auf der Pirsch durch anrüchiges Gebiet.

Jener Architekt, der mir Zumthors Kunsthaus ans Herz gelegt hat, heißt Helmut Dietrich. In seinem Architekturführer "Baukunst in Vorarlberg" schreibt der Kritiker Otto Kapfinger über ihn: "Mit einer seiner ersten selbständigen Arbeiten gelang Dietrich ein Klassiker

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