BEDIENT: Zelle 304 E, Forts.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 16/99 vom 21.04.1999

Vergangene Woche berichteten wir an dieser Stelle über einen 28- jährigen Marokkaner in Schubhaft. Seit Wochen war Lasoued E., der nichts weiter verbrochen hatte, als über kein Visum zu verfügen, in seine Zelle eingeschlossen. Eine Stunde pro Tag durfte der "Schübling" am Gefängnishof seine Runden drehen. Zweimal pro Woche erlaubte ihm die Gefängnisordnung ein "Brausebad". Arbeitsmöglichkeiten oder Ausgang gab es nicht. Schubhaft ist schlimmer als Strafhaft. Der Staat kümmert sich nicht um diese Häftlinge, denn sie verlassen ohnedies das Land. Lasoued trat in den Hungerstreik. Mit 18 Kilo weniger und mit Nierenfunktionsstörungen traf ihn eine engagierte Wiener Ärztin an und schlug Alarm. Die Beamten waren zynisch: "Wir lassen die Schubhäftlinge erst wieder hinaus, wenn sie sterben", beschied man ihr an der Gegensprechanlage. "Wir haben ka Problem damit, wenn s' sterben", merkte ein anderer Beamter an. Der "Schübling" hatte bereits gelbe Augen und blutiges Zahnfleisch. Erste Anzeichen einer Leberstörung. Die Ärztin beschwerte sich, der Falter berichtete. Hofräte liefen zusammen. Nur einen Tag später sah sich der Anstaltsleiter Walter Artinger den Vorfall genauer an. Ergebnis: Nach 36 Tagen wird der Marokkaner schließlich wegen Haftunfähigkeit aus der Schubhaft entlassen. Das Risiko war zu groß. "Ich bin froh, daß es gutgegangen ist", bedankt sich die Ärztin. Der Marokkaner wird zur Zeit aufgepäppelt und medizinisch betreut. In den kommenden Tagen wird er nach Afrika ausreisen und dort über die Zustände in österreichischen Polizeigefängnissen berichten.

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