Wer ist hier der Boß?

Musik: Warum es ein relevantes künstlerisches Statement sein kann, wenn einer seine alte Band zusammentrommelt und ein paar links liegengelassene Hadern zum besten gibt: Bruce Springsteen und die E-Street-Band spielen in der Stadthalle.

Kultur | Robert Rotifer | aus FALTER 16/99 vom 21.04.1999

Lieb mich, lieb mich, lieb mich, ich bin ein Liberaler", sang der Folksänger Phil Ochs vor einem Dritteljahrhundert in New Yorks geheiligter Carnegie Hall. Sein zynischer Song ("Love Me, I'm a Liberal") richtete sich gegen die repressive Toleranz im allgemeinen, insbesondere aber gegen die penetrante, rechtschaffene Anständigkeit der amerikanischen Folk-Bewegung.

Bruce Springsteen, Rockstar und Folknick, steht auf beiden Seiten der von Phil Ochs so treffend definierten Trennungslinie. Er könnte sowohl Subjekt als auch Objekt des Hohns sein. Gerade in der Versöhnung dieses Widerspruchs liegt der Ursprung seines universellen Volksheldenstatus, der längst über den auf die Linke beschränkten Mythos des großen Woody Guthrie hinausreicht. Spätestens seit dem Plattencover zu "Born in the USA" (1984), das ihn am Höhepunkt von Ronald Reagans revisionistischem Vormarsch vor der amerikanischen Flagge porträtierte, gilt Springsteen selbst als affirmatives Symbol des sturen, patriotischen


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