Streifenweise

Kultur | aus FALTER 16/99 vom 21.04.1999

Juan Quinquin ist ein Held mit wenig Geld und vielen großen Ideen. Er schlägt sich als Stierkämpfer, Meßdiener und Guerillero durch ein schwarzweißes Breitwandabenteuer, das stilistisch irgendwo zwischen bzw. vor Italo-Western, Bunuel oder "Antonio das Mortes" angesiedelt werden kann und demgemäß auf die Symbolik katholischer Votivbildchen ebenso zurückgreift wie auf musikalische Einlagen und epische Kommentare in Form von Zwischentiteln und ähnlichem. Eine wahre Freude, diese "Abenteuer des Juan Quinquin" von Julio Garcia Espinosa (Kuba 1967), und nur einer der dringend empfohlenen Programmpunkte der "Lateinamerikanischen Filmtage", die von 23.4. bis 6.5. im Filmhaus Stöbergasse stattfinden.

Unter den 31 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilmen finden sich einerseits neue Arbeiten aus den letzten Jahren, zum anderen setzt man einen kleinen historischen Schwerpunkt zum Cine Cubano: Der Regisseur von "Juan Quinquin" ist dabei auch mit einem früheren Werk vertreten. Er drehte 1955 gemeinsam mit Tomas Gutierrez Alea "El megano" ("Das Köhlerdorf"), einen neorealistischen Dokumentarfilm über die Arbeitsbedingungen kubanischer Köhler, der von der Batista-Regierung verboten wurde. Den heutigen Lebensbedingungen widmet sich unter anderem "Wer zum Teufel ist Juliette?" (Carlos Marcovich), der ein vielfältiges Bild seiner jugendlichen Protagonistin entwirft, in dem sich Realität und Erfindung überlagern und die Personen zu Figuren werden, deren Stimmen sich andere aneignen können - der große Handlungsverlauf fällt allerdings ein wenig hinter die Originalität im Detail zurück.

Die Niederländerin Heddy Honigmann hingegen ist für ihre Dokumentation mit einem Band erotischer Gedichte von Carlos Drummond de Andrade in dessen Heimat Brasilien gereist. Zur Eröffnung wird am 23.4. um 19 Uhr "Lagrimas Negras", Sonia Herman Dolz' Porträt des greisen Son-Quintetts Vieja Trova Santiaguera gezeigt. I. R.


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