Liebe, Tod und Mikrowelle

Film Aki Kaurismäki erweist mit dem antiurbanen Melodram "Juha" dem Stummfilm seine Reverenz.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 16/99 vom 21.04.1999

Überliefert wird die folgende Anekdote: Als Aki Kaurismäki in irgendeinem Wiener Lokal bei irgendeinem alkoholischen Getränk saß und sich seine Begleitung bemüßigt fühlte, Konversation zu machen, antwortete der Erfinder des Raucherfilms: "Do we drink or do we talk."

Mit dem Reden hat es der Regisseur, haben es vor allem dessen Figuren nie so recht gehabt. Insofern erscheint es nur als konsequent, daß Kaurismäki nun mit "Juha" seinen ersten Stummfilm vorlegt. Freilich handelt es sich nicht einfach um eine Frage der Bequemlichkeit und der Ökonomie, sondern um eine ästhetische Entscheidung. Kaurismäkis Filme sind stets Ausdruck von Liebe und Trauer - nicht nur in bezug auf die Protagonisten und deren Lebenswelt, sondern auch in Hinblick auf das Kino selbst. "Ich liebe das alte Hollywoodkino", erklärt der Regisseur in einem Interview mit Frederic Strauss (das auch im Programmfolder abgedruckt ist), "aber das ist untergegangen, weil die Macht von Hollywood in die Wall Street verlagert


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