"Das ist sehr kalifornisch"

Interview: Terry Eagleton, Professor für englische Literatur in Oxford und Dublin, gilt als einer der letzten aufrechten linken Intellektuellen Großbritanniens. Mit dem Kritiker der Postmoderne sprach der "Falter" über die postideologische Linke, den postmodernen Körperkult, linke und rechte Selbstverwirklichung und die Rolle der Intellektuellen.

Kultur | Klaus Nüchtern und Klaus Taschwer | aus FALTER 16/99 vom 21.04.1999

Die Illusionen der Postmoderne." Schon der Titel von Terry Eagletons bislang letztem auf deutsch erschienenem Buch legt nahe, daß es der Oxford-Professor mit der Postmoderne nicht gut meint. Der junggebliebene Marxist unterzieht sie einer politischen Kritik, bei der kein Auge trocken bleibt. Für den ernsten Ironiker stellt sich die Postmoderne jedenfalls "nicht als Lösung, sondern als Teil des Problems" dar: Ihr unpolitisches Denken bilde die Begleitmusik zum globalen Kapitalismus. Der Autor von zahlreichen literaturwissenschaftlichen und kulturtheoretischen Standardwerken (u.a. "Ideologie", "Ästhetik", "Einführung in die Literaturtheorie") war auf Einladung des Depots vor kurzem im Museumsquartier in Wien zu Gast und referierte dort zum Thema "Ästhetik und Politik".

Falter: Beginnen wir mit der Politik. Am Ende des 20. Jahrhunderts hat es den Anschein, als ob zumindest in Europa der Sozialismus endgültig an ein Ende gekommen sei. Es regieren zwar Sozialdemokraten, aber mit traditionellen


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