Braunes Wunder

Zeitgeschichte: Begann das österreichische Wirtschaftswunder bereits während der NS-Zeit dank gnadenloser Ausbeutung von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen? Ein neues Buch bietet einen Überblick über das System der Zwangsarbeit in der ehemaligen "Ostmark".

Politik | Gerald John | aus FALTER 17/99 vom 28.04.1999

Der Aufschwung war enorm. Binnen weniger Jahre verschwanden Zehntausende Arbeitslose von den Straßen. Allerorts wuchsen Fabriken in den Himmel. Wichtige Infrastrukturbauten wurden in Angriff genommen. Mit einem Wort: ein Wirtschaftswunder.

Die Rede ist nicht von der vielzitierten "Erfolgsstory" der Zweiten Republik. Das "Wirtschaftswunder" ereignete sich bereits einige Jahre zuvor, zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich. Möglich war der Aufschwung in den Kriegsjahren nur durch die Ausbeutung von Hunderttausenden ausländischen Kriegsgefangenen. Aber kann man Kriegskonjunktur und Nachkriegsaufschwung so einfach trennen? War nicht gerade der Industrieboom in der Nazizeit Grundlage für die österreichische Wohlstandsgesellschaft?

Der Antwort auf diese Frage versuchen sich Reinhard Engel und Joana Radzyner in ihrem eben erschienenen Buch "Sklavenarbeit unterm Hakenkreuz. Die verdrängte Geschichte der österreichischen Industrie" anzunähern. Mit neuen Forschungsergebnissen


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