Bedient: Die Richtlinie

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 17/99 vom 28.04.1999

Glauben sie mir", ver- sichert der überaus freundliche Filialleiter, "wir haben so irrsinnig viele Ausländer, und die sind mit uns zufrieden." Plötzlich kommt einer her und beschwert sich. "Und dann", sagt der Filialleiter, "steh'ma in der Zeitung." Leider. P.S.K.-Bank, Wallensteinstraße 32, 1200 Wien. Vorvergangene Woche. Damaris D. ist eigentlich keine Ausländerin, sondern Österreicherin. Geschäftsführerin einer Cocktailbar, 20.000 netto, keine Schulden, kein Kredit, dafür 80.000 Schilling im Plus. Die Frau ist aus Sicht der P.S.K.-Bank-Beamten ein bisserl verdächtig: ausländische Herkunft, dunkle Hautfarbe und ein Arbeitgeber, der das Gehalt nicht direkt an die Bank, sondern an Damaris ausbezahlt. Seit Jahren und regelmäßig. Damaris betritt die Schalterhalle der P.S.K.-Bank und bittet um eine Bankomatkarte. Sie legt einen österreichischen Reisepaß vor. Die Schalterbeamtin blickt in den Computer und sieht Verdächtiges: "Es tut mir leid, sie sind ja eine ehemalige Ausländerin. Sie bekommen keine Bankomatkarte von uns." "Da ist vielleicht was schiefgegangen", befürchtet der Filialleiter. Doch früher, da habe man mit Ausländern schon viele schlechte Erfahrungen gemacht. "Wir sind aber sehr tolerant und müssen vieles mitmachen." Deswegen habe die Bank "Richtlinien" aufgestellt. Rassistische Diskriminierung? "Wirklich nicht!" Damaris, deren Mann ein berühmter Politiker ist, hat den ganzen Nachmittag geheult und eine andere Bank gesucht. "Ich möchte die Dame auf einen Kaffee einladen und mich entschuldigen", sagt der Filialleiter. Die ausländischen Finanzpartner der Bank können beruhigt sein.

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