Serbische Medien im Krieg

Essay: Serbische Journalisten stehen derzeit unter doppeltem Beschuß. Einerseits attackiert sie das Regime, andererseits ignoriert die Nato den Grundsatz der Menschenrechtskonvention, daß Journalisten im Krieg als Zivilisten gelten.

Medien | Dusan Reljic' | aus FALTER 17/99 vom 28.04.1999

Der dreißigjährige Belgrader Journalist Z. P. hatte Glück: Es war doch die Geheimpolizei, die ihn letzten Montag auf dem Heimweg entführte. Als er spurlos verschwand, war die größte Sorge seiner Familie und Freunde, daß er in die Hände einer paramilitärischen Gruppe geraten sein könnte. Dann wäre er nie zurückgekehrt. Nicht nur, daß er bei einer der führenden regimekritischen Zeitungen Serbiens beschäftigt war, darüber hinaus gehört er zur falschen ethnischen Gruppe. Von seinen Erlebnissen während der 72 Stunden im Underground redet er nicht, insbesondere nicht am Telefon. Wie andere Journalisten, Mitglieder von Menschenrechtsgruppen und andere Andersdenkende, denen es in den letzten Wochen seit dem Beginn des Nato-Angriffs auf Serbien und Montenegro ähnlich erging, hält er es für klüger, kein Aufsehen zu erregen. Wenn man einmal von finsteren Mächten verschlungen war und das Glück hatte, wieder an der Oberfläche aufzutauchen, verliert man nie wieder das Gefühl,


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